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BESSERE DEUTSCHKENNTNISSE FÜR POLNISCHE HAUSHALTSHILFEN! - J 7

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In unseren Dörfern unterstützen polnische Haushaltshilfen manche unserer älteren Mitbürger. Mit guten Deutschkenntnissen wird ihre Arbeit leichter. Die Betreuten freuen sich über verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten. Ein gutes Lehrwerk und andere Unterrichtsmaterialien stellen wir zur Verfügung. 
 
Wir suchen noch weitere Helferinnen und Helfer, die das Deutschlernen unterstützen.
 
Der Unterricht findet in Bornich im Gemeinderaum des Pfarrhauses statt. Interessentinnen und Interessenten aus der Region sind zur Teilnahme herzlich eingeladen.
 
Projektbetreuerin:                   Susanne Müller
                                                Tel.: 0 67 71- 8 02 93 50
                                                 fzb@bornich.de

Mein Traum für die Zukunft – bis ins hohe Alter zu Hause leben!
Unsere polnischen Haushaltshilfen lernen in Bornich an der Loreley Deutsch

 „Ich möchte auch im hohen Alter oder wenn ich mal nicht mehr so fit bin, gerne in meinem Zuhause wohnen bleiben!“, diesen Gedanken tragen viele ältere Menschen in ihrem Herzen. „Über Jahrzehnte habe ich meine Wohnung, den Garten mit viel Arbeit und entsprechend meinen Vorstellungen gestaltet und entwickelt. Die Nachbarn und viele Bekannte im Dorf sind mir so vertraut. Das alles möchte ich nicht missen. Auch dann nicht, wenn ich den Garten nicht mehr bearbeiten kann, wenn ich den Haushalt nicht mehr versorgen kann. Ich möchte auch zu Hause wohnen bleiben, wenn ich beispielsweise zur Körperpflege Hilfe brauchen werde!“ 
Ein schöner Traum! Oder ist das realisierbar?

Wer nicht das Glück hat, dass er auch im hohen Alter in der Großfamilie, also mit seinen erwachsenen gewordenen Kindern im Haus oder in der nahen Nachbarschaft leben kann, für den stellt sich die Frage bzw. seine Kinder stellen irgendwann die Frage: „Ist es für unseren Vater/Mutter nicht an der Zeit, ins Altenheim umzuziehen?“ Ich kenne niemanden, der sich frühzeitig und mit freudiger Erwartung dieser Frage stellt. Die einen verschieben die Antwort immer wieder. Die anderen haben die irrationale Hoffnung, dass ihr Lebensweg sich vielleicht doch an der Frage vorbei entwickelt. 

Vier alt gewordene Bornicher Bürgerinnen haben sich rechtzeitig entschieden, das heikle Thema aktiv anzugehen: sie wollen, obwohl sie schon älter sind und die Gesundheit nicht mehr so recht mitspielt, zu Hause, in ihrem vertrauten Umfeld bleiben. Das geht natürlich nur, weil sie sich eine zuverlässige Haushaltshilfe ins Haus geholt haben. Mit diesen freundlichen Helferinnen haben die Frauen ein neues Familienmitglied gewonnen, das sich um den Haushalt und um die notwendigen persönlichen Unterstützungen kümmert. Solche Arbeitskräfte findet man eher selten in unserer Region. Da muss man schon auf Arbeitsuchende aus Ländern zugehen, die für gute Arbeit in ihrem Heimatland entschieden weniger verdienen als das für sie in Deutschland möglich ist. 

Es ist gut, dass die älteren Bürger in Deutschland eine Altersversorgung haben, die sie sich als Rente oder Pension durch ihre frühere Berufstätigkeit erworben haben. Diese Summe wird im Bedarfsfall durch Leistungen aus der Pflegeversicherung noch steigen. Natürlich steht die Höhe mancher Witwenrente in der berechtigten Kritik. Hier soll nur deutlich werden, dass aus diesen Einkommen der Lohn einer Haushaltshilfe oder aber das Leben in einem Altenheim zu finanzieren ist. Unsere vier Bornicher Frauen haben sich für die Haushaltshilfe entschieden. Sie konnten sich nicht mit dem Gedanken an einen Umzug in ein Altersheim anfreunden, das vermutlich auch unter dem Pflegenotstand leidet und wohl nicht unter 3.000 € pro Monat zu haben ist. 

So oder so müssen wir alle der Tatsache ins Auge schauen, dass wir jeden Tag älter werden und keiner in seine Zukunft schauen kann. Da ist es gut, wenn man sich frühzeitig, wenigstens rechtzeitig mit den Fragen des eigenen Lebens im fortschreitenden Alter befasst. 


Die polnischen Haushaltshilfen in den vier Bornicher Haushalten kommen aus der Woiwodschaft (Verwaltungsbezirk) Niederschlesien, aus der Region um Głogów, dem ehemaligen Glogau bzw. aus Masuren im Norden Polens gelegenen, aus der Woiwodschaft Ermland-Masuren, dem ehemaligen Ostpreußen. Natürlich wollen die Frauen nicht 12 Monate am Stück von zu Hause weg und fern von ihren Familien sein. Deshalb wechseln sich über das Jahr mehrere Helferinnen, meist sind es zwei Helferinnen pro Familie, in ihrem Dienst in Bornich ab. Das bedeutet, dass ca. 8 - 10 Helferinnen im Wechsel kommen. Damit der Kontakt zur eigenen Familie, zu den Kindern, die ja oft noch zur Schule gehen und von den Großeltern versorgt werden, nicht abreißt, ist das Handy zur Nabelschnur geworden. Zwischen Deutschland und Polen kann Mama per Handyanruf täglich an den großen und kleinen Entscheidungen teilhaben.

Die Anreise von Głogów nach Bornich mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre ein kaum lösbares Abenteuer, obwohl es Linienbusse von mehreren polnischen Städten nach Frankfurt bzw. Koblenz gibt. Da die Zahl der polnischen Haushaltshilfen überall in Deutschland sehr groß ist, hat sich ein bezahlbarer Kurierdienst mit Kleinbussen entwickelt, der Frauen zu Hause in Polen an der Haustüre abholt und in Deutschland bis ans Haus bringt, auch in Bornich. 

Alle polnischen Haushaltshilfen, die ich in den letzten beiden Jahren kennengelernt habe, sind im Umgang herzlich und im Umgang mit der zu Betreuenden fürsorglich und umsichtig. Sie arbeiten gerne bei unseren alt gewordenen Bornicherinnen. Natürlich bringen sie auch ihre polnische Tradition mit: Oma und Opa werden umsorgt und leben mitten in der Großfamilie. Bei unseren Gesprächen im Gemeinderaum des Pfarrhauses während des Deutschunterrichts hatten sie noch nie Probleme, die zu betreuende Person zu benennen. Mit einem vieldeutigen Lächeln sagen sie: „Bei meiner Oma machen wir das so und so ...!“ Der Sprachgebrauch stuft die zu pflegende Bornicherin in eine Reihe mit den eigenen Großeltern in Polen ein. Drei „Omas“ zu haben, lieb zu haben, ist wirklich schön!

Alle Welt lobt die polnische Küche. Die hat jetzt auch in Bornich Einzug gehalten. Was gekocht wird, das spricht man morgens mit der „Oma“ ab. Dann wird gemeinsam gekocht und gemeinsam gegessen. „So gegen 12.00 Uhr essen wir zu Mittag. Manchmal auch etwas früher, wenn Oma schon müde ist und ihren Mittagsschlaf braucht.“ 

Von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr haben die Haushaltshilfen frei. Einmal in der Woche nutzen alle Bornicher Haushaltshilfen und auch einige aus Ober-, Niederwallmenach und aus Osterspai diese Zeit, um im Familienzentrum Bornich, im Gemeinderaum des Pfarrhauses ihr Deutsch zu verbessern. Als „Deutschlehrer“ wechseln sich zurzeit Dieter Zorbach, Ulla Kilian aus Weisel, Hannelore Noky aus Patersberg und Werner Blereau aus Dachsenhausen ab, die alle ehrenamtlich mitwirken. 

Natürlich ist kein kontinuierlicher Deutschkurs möglich. Die Teilnahme der polnischen Helferinnen wird vom individuellen Wechselrhythmus zwischen Polen und Bornich bestimmt. Die sehr unterschiedlichen Deutschkenntnisse der Frauen muss ebenfalls berücksichtigt werden. Die „Schülerinnen“ kommen gerne, lernen fleißig: Vokabeln, deutsche Begriffe für wichtige Wörter im Zusammenhang mit ihrer Arbeit und üben sich im freien Sprechen, im bewussten Formulieren von Sätzen, im Beachten der Regeln der deutschen Grammatik! Wir Deutschen ahnen nicht, wie viele Sonderregeln unsere Sprache hat. Letztendlich freuen sich die „Schülerinnen“, ihr Deutsch zu verbessern. Die besseren Deutschkenntnisse nutzen auch dem Zusammenleben mit den Betreuten. 

Gegen 15.00 Uhr geht es dann wieder nach Hause. „Oma“ beendet den Mittagsschlaf, braucht Hilfe beim Aufstehen. Oft wird danach ein Kaffee oder Tee getrunken. Ein Spaziergang oder bei schlechtem Wetter vielleicht „Mensch ärger dich nicht“ spielen schließen sich an. „Oma freut sich immer, wenn sie einen meiner Spielsteine hinaus werfen kann“, so eine der Helferinnen.

Am ersten Donnerstag im Monat um 15.30 Uhr gibt es das große Treffen aller „diensthabenden“ Haushaltshilfen mit allen ihren Betreuten im Gemeinderaum des Pfarrhauses. Das Familienzentrum, also Susanne Müller, kocht den Kaffee, eine der polnischen Helferinnen bringt den selbst gebackenen, leckeren Kuchen mit. Natürlich wird auch eine Geschichte vorgelesen, auf Deutsch. Danach wird viel gesungen, alt bekannte Lieder. Monika Hamsch spielt auf der Gitarre, Susanne Müller spielt Flöte und die alt gewordenen Bornicherinnen singen mit kräftiger Stimme die bekannten Lieder, alle Strophen, denn die haben sie ja in ihrer Jungend gelernt. 
 Das ist eine große Freude für alle und ein segensreiches Angebot!

Gegen 18.00 Uhr geht es wieder nach Hause, mit dem Rollator und wohlbehütet durch die Helferinnen. Dann gibt es Abendessen. Danach waschen, für das Bett fertig machen und schlafen.

Infos

Bornich
Sprache und Verständigung
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