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Initiative 55 plus-minus – eine Plattform

Inhaltsverzeichnis

Die Initiative 55 plus-minus ist eine Plattform, die Menschen in ihrem eigenen Bemühen um persönliche Weiterentwicklung vernetzen will!

Sehen Sie eine Chance für die aktive Teilhabe älterer Menschen in unserer Gesellschaft, wo doch alle die jungen Dynamischen fordern?

Dass unsere Wirtschaft das Know-how, die Lebenserfahrung und die Qualität gereifter Persönlichkeiten gering schätzt und ältere Mitarbeiter durch Entlassung oder Frühpensionierung ausmustert, ist dumm und für die Betroffenen tragisch. Die öffentliche, politische Debatte nimmt sich eher zögerlich dieses Missstandes an.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Menschen im Alter von 55 Jahren, so plus minus, bis zum Teil weit über 70 Jahre fit und kreativ, auch altersgemäß belastbar sind. Sie wollen ihre Kompetenz nutzen und sind motiviert, ihren Horizont in geistigen, musischen oder auch handwerklichen bzw. technischen Bereichen zu erweitern. Ganz im Sinne des lebenslangen Lernens. Die jungen Alten können noch dazulernen und wollen das auch, aber sehr häufig zielgerichtet und mit einem Anwendungsinteresse. Sie möchten weiterhin Beiträge zur Ausgestaltung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft leisten und können dies in der Tat.
Jedoch erfordert ihre Einsatzbereitschaft ein Netzwerk, eine Kontaktstelle, damit man interessante Einsatzbereiche findet, damit man Gleichgesinnte treffen und sich mit ihnen zusammentun kann.

Wenn die Initiative 55 plus-minus im weitesten Sinne ein Netzwerk für Zusammenarbeit und Weiterentwicklung ist, dann verfolgt sie sicher einen bestimmten Ansatz!

Die Initiative 55 plus-minus arbeitet unter dem Motto: Gemeinsam aktiv werden.
Das verbietet von vornherein fremdbestimmte Betreuung mit dem Beigeschmack der Bevormundung. Selbstbestimmt, eigenverantwortlich mit selbst gewählten Zielen Vorhaben und Projekte bearbeiten, die eigene Kompetenz einbringen, eigene Talente weiterentwickeln, darum geht es! Zwangsläufig pflegt unsere Initiative die kleinen Gruppen. Fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Projekt sind schon genug. Zwanzig Mitstreiter wäre wahrlich viele oder zu viele, wenn jeder aktiv mitarbeiten soll.

Wie unterstützt die Initiative 55 plus-minus das Zusammenfinden passender Partner?

Darin liegt in der Tat das Problem, die Herausforderung und die Aufgabe unserer Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, kontaktfreudige, an einer gemeinsamen Fragestellung interessierte Menschen zusammenzubringen. Da reicht die Mund-zu-Mund-Propaganda oder der Zettel an der Kundeninfo-Wand im örtlichen Supermarkt nicht aus. Während der beruflichen Tätigkeit waren Kontakte mit den Mitarbeitern, den Klienten oder den Kunden zwangsläufig und durch betriebliche Rituale strukturiert. Diese Partner und wohlbekannten Muster der Zusammenarbeit stehen in der Phase des Ruhestandes nicht mehr zur Verfügung. Neue Kontakte müssen geknüpft und offene, eher partnerschaftliche Umgangsformen wollen entwickelt und erprobt werden. Der Kontakt zu neuen, an ähnlichen Herausforderungen und Aufgaben interessierten Menschen spontan oder zielstrebig zu finden, ist in unserer ausdifferenzierten Gesellschaft sehr schwer. Das themenbezogene Zusammentreffen von Gleichgesinnten außerhalb eines Gesangvereins oder Kegelclubs ist schwierig. Aber gerade darauf versteht sich unsere Initiative mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit.

Wie erreichen Sie die Interessenten, die Menschen, die den Projekten zusammenarbeiten wollen?

Wichtig ist, dass die Menschen der Region durch unsere Öffentlichkeitsarbeit und durch das Weitererzählen gelungener Aktionen wissen, dass die Initiative 55 plus-minus ihrem Motto folgend nur Plattform für individuell unterschiedliche Vorhaben und Projekte sein will.
Wir fragen nur: Kann man in dem angedachten Projekt gemeinsam aktiv werden, wird es für den partnerschaftlichen Umgang unter den Teilnehmern aufbereitet? Es darf keine langfristige Bindung der Teilnehmer erfordern, keine körperlichen Gefahren bergen, keine finanziellen Risiken oder hohe Kosten zur Folge haben. Die Projekte dürfen einen sozialen, die Generationen verbindenden Anspruch haben, Aspekte unseres Lebens kritisch befragen, dürfen die bewusste und unterstützende Mitarbeit in der Gesellschaft fördern.
So betrachtet ist die Initiative 55 plus-minus das organisatorische und logistische Zentrum in einem offenen Netzwerk, das sich mit jeder neuen Idee eines hinzukommenden Interessierten verändert und erweitert.

Was sind wichtige Aspekte der Arbeit der Initiative 55 plus-minus?

Im Prinzip sind alle Angebote kostenlos, nur Sachausgaben werden erstattet. Die Projektbetreuer bringen ihre Kenntnisse und Ideen ein und zwar aus Freude an der Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten, aus Freude an der Erfahrung, dass ihre Dienste gerne angenommen werden. Wer in einem Projekt als Betreuer sich einsetzt, macht häufig in anderen als Teilnehmer mit. Es ist ein fröhliches Geben und Nehmen.

Einmal im Jahr trifft sich die Gesprächrunde der „Initiative-Erfinder“ aus der Startphase von 2005 und stellt ein neues Programmheft mit den weiterlaufenden und mit neuen Projekten zusammen. Dieses Programmheft, ein farbig aufgemachtes, mehrseitiges Faltblatt, wird in alle Haushalte der Region verteilt, also ein Aufwand von mehreren tausend Faltblättern. Die liegen in den lokalen, kommunalen Mitteilungsblättern und in der Kirchenzeitung des Dekanates.

Wichtig für die Wertschätzung und die Weiterentwicklung unserer Initiative ist das regelmäßige Berichten in der Lokalpresse über Veranstaltungstermine und inhaltliche Ergebnisse der so verschiedenen Projekte. Die Berichte sind Bestätigung für die Projektteilnehmer und gerne gelesene Informationsquelle für neue oder potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Unser Konzept ist in der Öffentlichkeit weithin bekannt und zwar:
Wer eine Projektidee anbietet, die er partnerschaftlich mit Gleichgesinnten umsetzen will, der wende sich an die Initiative 55 plus-minus. Denn die sorgt dafür, dass das Projekt bekannt wird. Dann wird sich zeigen, wer und wie viele sich für dieses Angebot interessieren!
Wer ein Projektidee nachfragt, die er selbst nicht als Betreuer umsetzen kann, der/die sollen dieses Interesse auch der Initiative 55 plus-minus mitteilen. Denn die wird sich Mühe geben, die entsprechenden Anbieter und Unterstützer aufzutun.

Dass das evangelische Dekanat St. Goarshausen der Initiative 55 plus-minus Dach und Heimat für ihr Bildungs- und Zusammenarbeitnetzwerk bietet, findet breite Zustimmung aller Teilnehmer, auch bei den, die einer anderen oder keiner Konfession angehören! Die Kirche, also auch die örtlichen Gemeinden unserer Region stellen gerne ihre Räume und Ressourcen für die Arbeit zur Verfügung. Die Projekttreffen werden in der Tat ein Teil des aktiven Gemeindelebens verstanden.

Welche Projekte sind Ihnen besonders wichtig und nennenswert, wenn es um den gezielten Aspekt eines Bildungsnetzwerkes geht?

Lesepaten, die sich auf das Vorlesen in Kindergarten- und Grundschulgruppen vorbereiten und das Vorlesen dann auch praktizieren.
Ausbildungspaten, die Schulabgängern ihr berufliches Know-how bei der schwierigen Suche einer Lehrstelle zur Verfügung stellen.
Der themenorientierte Gesprächskreis, die aktuelle Themen in die Debatte der Interessierten einbringt.
Geschichtsprojekt, das selbst Plattform für Heimatforscher und Anlaufstelle für historisch Interessierte ist.
Elektroschweißen lernen, wo man eine handwerkliche Technik handhaben lernt, die außerhalb des Üblichen liegt.
Obstbäume schneiden, das das Verständnis für Bäume mit Fachwissen und praktischen Erfahrungen verbindet.
English conversation, hier muss nicht im klassischen Sinn gelernt werden, hier wird vorhandenes Wissen gesichert und angewendet.
Aquarellmalen und Töpfern ermöglichen den Anfängern das Erforschen des eigenen Talents und der eigenen Kreativität. Die Fortgeschrittenen üben partnerschaftliches, gegenseitiges Anregen.

Spannend sind auch absehbare neue Projekte, ab Herbst 2006:
Exkursionen zu Institutionen, Themen und Problemen der Region und historischen Orten,
Französisch Konversation,
Alles über die Kartoffel,
Selber Brot backen im alten dörflichen Backhaus,
Instrumentales Musizieren für Laien, die bisher anregenden Partner gefunden haben,
Eine Reise nach Polen unter dem Motto. Christen besuchen Christen
Usw.

Sehen Sie einen bildungstheoretischen Ansatz in der Arbeit der Initiative 55 plus-minus?

Biblisch gesehen sind wir alle, jeder Einzelne, einzigartige Geschöpfe Gottes, die ein Recht auf ihre Eigenständigkeit haben. Das ist praktischer Ausdruck der Liebe Gottes, die jedem Einzelnen gilt. Dafür muss die Kirche den Freiraum schaffen.
Da die Menschen sich als Mitschöpfer verstehen, (in der Bibel lesen wir, dass uns Welt anvertraut ist zum Bebauen und zum Bewahren), muss das Bildungs- und Weiterentwicklungsinteresse jedes Einzelnen Raum finden. Gerade wir Protestanten wissen, dass gelingendes gemeindliches Leben die Summe der Aktivitäten vieler Einzelner ist, ganz im Sinne eines allgemeinen Priestertums der Gläubigen.

Die Kirche – in der Gemeinde, in der Region, auf der Mittleren Ebene – muss der Vielfalt der Begabungen und Talente Raum und Mitgestaltungsmöglichkeit geben (Paulus, Korintherbrief).

Da das Lernen ein individueller Prozess ist, muss man auch methodisch in den Projekten dem Individuum Entfaltungsmöglichkeiten schaffen, die nur durch die Rechte und Notwendigkeiten des Nächsten begrenzt werden. Die Kirche muss vor Ort den Spagat zwischen individueller Freiheit seiner Mitglieder und dem Anspruch auf soziales und kirchengemeindliches Zusammenleben, Zusammenwirken im Konkreten bewältigen.

Der mündige und selbstbestimmte Bürger hat ein Recht auf Entfaltung seiner Fähigkeiten, Talente und Interessen. Dieses wird er aber nur ausleben können, wenn er leistbare Betätigungsfelder sieht oder man ihm Wege dort hin zeigt. Das Recht auf eigene Zugänge zu seinen Bildungszielen kann nur erlebt werden, wenn die methodischen Wege bekannt sind oder aufgetan werden.
Das Ziel muss ein Mensch sein, der seiner selbst gewiss und in der Freude, neue Ziele angehen zu wollen, lebt. Das bedeutet, dass die Stärkung der Selbstwirksamkeitserwartung eines jeden Menschen (Albert Bandura) einerseits eine aktuelle pädagogische Aufgabe ist. Andererseits beschreibt sie nur das, was dem zukunftsoffenen Bild der christlichen Gemeinde selbstverständlich sein sollte.