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Erzählte Zeitgeschichte - Werden Sie bei uns Buchautor - G 2

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G  2     Erzählte Zeitgeschichte(n) 
 Werden Sie bei uns Buchautor(in)
 
Der 6. Band unserer Buchreihe: „Zeitzeugengeschichte(n)“ ist in Arbeit. Wer eine schicksalhafte Episode aus seinem Leben niederschreiben und zur Veröffentlichung freigeben möchte, sollte Kontakt mit uns aufnehmen.
 
Jeder erlebt täglich Zeitgeschichte und gestaltet sie mit! Möchten Sie ein interessantes Erlebnis, ein wichtiges Ereignis oder gar Ihre eigene Lebensgeschichte, die Sie aufgeschrieben haben, sichern oder anderen Menschen zugängig machen? Unser Redaktionsteam redigiert Ihren Text und druckt ihn in unserem 6. Sammelband ab.
Die Bände 1 bis 5 unserer Zeitzeugenberichte – Beispiele für „erzählte Historie“ – sind bereits veröffentlicht worden. 
 
Voraussichtlich noch im Jahr 2019 wird unser 6. Sammelband erscheinen. 
Für den 6. Band sammeln wir bereits Texte; Ihrer könnte dabei sein!
 
Kontakt          Ulla Kilian, Weisel
T 0 67 74 – 91 85 99
Hannelore Noky, Patersberg
T 0 67 71 - 28 17 
 

                 Wie das Feuerzeug einem
            Schornsteinfeger Glück brachte 

                     
von Claus Winkler

Prolog
Manches, was in Friedenszeiten unmöglich zu sein scheint, ist im Krieg und in den ersten Nachkriegsjahren möglich gewesen. Nun bin ich weit davon entfernt die Schrecken des Krieges oder gar die Zeit der unseligen Nazidiktatur zu idealisieren. Fakt ist aber, dass in einer Periode, in der Tauschhandel an die Stelle der Währung tritt, der materielle Wert eines Gegenstandes kaum noch zählt. Diese Erfahrung hat auch mein inzwischen verstorbener Vater, Gotthard Winkler, gemacht. Er war Bezirksschornsteinfegermeister und hatte während seiner Gesellenzeit eine unglaubliche Geschichte erlebt, in der ein Schwein, eine Ziege, ein Sachs-Motorrad und nagelneue Lederschuhe als Tauschobjekte vorkommen. Außerdem schlug er noch die Franzosen, die auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz saßen, ausgesprochen listig übers Ohr.
 
Und so fing alles an: Mein Vater erhielt von seinem Paten ein Gasfeuerzeug zum Geschenk. Das Feuerzeug sah mit seiner silberfarbigen Ummantelung zwar sehr vornehm aus, hatte aber seine Tücken, denn es funktionierte nicht immer. 
Eines Tages wurde ein Kadenbacher Jungmann, der in Arzbach „auf die Frei“ ging, während eines Gesprächs mit meinem Vater auf das edel funkelnde Feuerzeug aufmerksam, als der damit spielte.Sofort wollte er es haben. Und zwar unbedingt. Mein Vater verneinte, es sei ein Geschenk seines Paten, das könne er nicht so einfach weggeben.
Der Jungmann jedoch gab nicht auf, und wollte ihm alles mögliche dafür geben. Erst als er versprach, ein Paar funkelnagelneue Lederschuhe für das Feuerzeug zu besorgen, sagte mein Vater zu. Und so wechselte das Feuerzeug seinen Besitzer, zumal es bei der Zündprobe, ausnahmsweise einmal funktioniert hatte. Nun war mein Vater stolzer Besitzer von einem Paar neuer Schuhe geworden, die zwar mindestens drei Nummern zu groß waren, aber ein ausgezeichnetes Tauschobjekt darstellten.
Nebenher sei noch vermerkt, dass sich einige Zeit später die Herkunft der Schuhe aufklärte. Bei der Bombardierung von Koblenz hatte ein Koblenzer Schuhhändler seinen Warenbestand im Gasthaus Adolf Knopp (Hammerschmied) im Nachbarort Kadenbach eingelagert. Als nun die Amerikaner immer näher rückten, hatte die Bevölkerung den Saal gestürmt und die Schuhe „in Verwahrung genommen“, damit sie nicht in die Hände des Feindes fielen. Mit anderen Worten, man hatte geplündert!

Für meinem Vater jedenfalls waren die Schuhe ein Gewinn, denn er tauschte sie alsbald für eine Ziege ein. Das arme Tier, das schon ziemlich mitgenommen aussah, bekam einen Platz im großväterlichen Stall. Dort blieb es jedoch nur wenige Tage, da mein Vater die „Bergmannskuh“ gegen ein Ferkel tauschen konnte.
Ein „Nuckesje“, wie man bei uns die Ferkel mundartlich nennt, war unmittelbar nach dem Krieg eine großartige Kapitalanlage. Warum? Nun, einerseits war die Aussicht, nach anständiger Mästung auf eine Hausschlachtung sehr verlockend, andererseits war das Ferkel, und später als ausgewachsenen Sau, als Tauschobjekt mehr als geeignet. Und genau als solches sollte es schließlich dienen.
Unter den Kunden meines Vaters befand sich eine Kriegerwitwe, die liebend gern ein Schwein besessen hätte, wovon er jedoch nichts wusste, als er ihr während des Schornsteinfegens von seinem Nuckesje erzählte. Die Witwe, so mein Vater, schrie leise vpr Begeisterung auf und bat ihn, ihr das Ferkel zu verkaufen. Das sei schon lange ihr größter Wunsch. Mein Vater weigerte sich, was sollte er in dieser Zeit mit Geld? Sachwerte waren viel wertvoller.
Die Witwe lächelte verschmitzt und führte ihn hinters Haus zu einem Schuppen. Dort schloss sie eine Tür auf und zeigte auf ein fast neuwertiges Sachs-Motorrad. Ihr gefallener Mann hatte es kurz vor dem Krieg gekauft und nur wenig gefahren, denn er wurde bald danach eingezogen. „Wäre diese Maschine als Tauschobjekt in Ordnung?“, fragte sie. Mein Vater schlug sofort ein. So war er durch klug durchdachte Tauschaktionen vom Feuerzeug zu einem Motorrad gekommen und konnte sein bisheriges Gefährt, ein Fahrrad, in die Ecke stellen..
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Hier erstmal Schluss! Wie Gotthard die Franzosen auf der Festung Ehrenbreitstein, ihrer Kommandantur nach dem Krieg, um einen Kanister Benzin erleichtert, das lesen Sie im Nachsommer in Band fünf!


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